Jun 27 2012

Gegen Fusion von Glencore mit Xstrata formiert sich Widerstand


Die milliardenschwere Fusion der beiden Rohstoffkonzerne Glencore und Xstrata steht auf der Kippe. Fürstliche Treueprämien für das alte Management und ein niedriges Aktientauschverhältnis: An diesen beiden Punkten entzündet sich immer mehr die Wut der Xstrata-Anleger. Beide Unternehmen müssten noch erheblich nachbessern, um den anfangs vielbejubelten Deal unter Dach und Fach zu bringen, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen. Ohne Änderungen droht das Geschäft bei der Xstrata-Aktionärsversammlung am 12. Juli zu scheitern.

An den jetzigen Bedingungen der Fusion, die die weltweite Bergbaubranche aufwirbeln soll, stoßen Xstrata-Aktionären besonders die exorbitanten Boni für die Manager auf. Das Top-Management von Xstrata soll im neuen Unternehmen insgesamt 173 Millionen britische Pfund Treueprämien erhalten – ohne die geringste Leistung dafür zu erbringen. Der Aufschrei der Aktionäre über diesen Coup kommt in einer Zeit, in der die Gehälter in britischen Vorstandsetagen sowieso schon kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Einige Bosse mussten wegen zu großer Ansprüche an die Firmenkasse sogar ihren Hut nehmen.

Am Mittwoch lenkte Xstrata etwas ein und schlug Glencore neue Konditionen für die Treueprämien vor. Dabei nannte der Rohstoffkonzern jedoch keine Details. Die Vorschläge würden geprüft, hieß es lediglich von Glencore. Damit die angestrebte Fusion Wirklichkeit wird, müssen die Xstrata-Aktionäre das Aktientauschgebot und die Treueanreize in zwei getrennten Abstimmungen absegnen. Gemessen am Feedback der Anleger auf jüngst anberaumten Treffen scheint laut Kreisen ein Scheitern wahrscheinlich, sollten die Bedingungen nicht überarbeitet werden.

Ob es nun gelingt, die unterschiedlichen Interessen auszutarieren, erscheint ungewiss. Damit steht auch hinter dem gesamten Fusionsvorhaben, das die viertgrößte Minengesellschaft der Welt schaffen soll, ein großes Fragezeichen. Ein Kollaps der Fusion, die in einem Unternehmen mit 60 Milliarden US-Dollar Marktwert gipfeln soll, ist im Bereich des Möglichen. Ungemach droht den beiden Top-Managements ausgerechnet vom bisherigen Befürworter der Fusion, dem Staatsfonds Katars. Dieser ist mit 10 Prozent größter Anteilseigner bei Xstrata. Die Investoren vom Persischen Golf stoßen sich an der niedrigen Bewertung ihres Aktienpakets. Nach den bisherigen Konditionen sollen sie für einen Xstrata-Anteilsschein 2,8 Glencore-Aktien erhalten. Katar bringt nun ein Austauschverhältnis von 3,25 ins Gespräch.

Ob Glencore-Chef Ivan Glasenberg gerade hier nachgibt, ist fraglich. Immer wieder hatte er argumentiert: Bessere Konditionen für Xstrata-Aktionäre würden den Deal für Glencore unprofitabel machen. Glencore hält bereits heute 34 Prozent an Xstrata.

Großer Gewinner des Geschäfts wäre Xstrata-Chef Mick Davis, sofern die Abmachungen nicht noch einmal grundsätzlich abgeändert werden. Bisher sollte Davis bis 2015 jährlich 14,9 Millionen Dollar Treueprämie erhalten, ohne dass dieses Gehalt an irgendwelche Leistungskriterien gekoppelt wäre. Xstrata begründete das üppige Gehaltspaket stets mit der Notwendigkeit, das alte Management an Bord zu halten. Das jetzt angekündigte neue Angebot von Xstrata könnte in der Gehaltsfrage umfassende Leistungsanreize vorsehen. Zur Debatte stehen offenbar eine Bezahlung in Aktien statt in bar sowie eine Koppelung der Bezüge an den Erfolg bei den ausgegebenen Einsparzielen.

Die Treueprämien müssen auf der Xstrata-Aktionärsversammlung von einer einfachen Mehrheit der Anteilseigner durchgewunken werden, ohne dass die Glencore-Stimmen zählen. Dem Gesamtdeal müssen 75 Prozent der Aktionäre zustimmen. Auch hier wiederum fällt das Glencore-Aktienpaket unter den Tisch.
Von Dana Cimilluca und John W. Miller DJG/DJN/axw/jhe




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